Der Übergang von der Grundschule

Schritte des Übergangs

Nr.Inhalt
01Voraussetzungen der Schule (Land/LK)
02Gemeinsame Vorbereitungen des Teams Jg. 5
03Kennenlernnachmittag vor den Ferien
04Paten aus den höheren Klassen
05Einschulungsfeier
06Die ersten Tage beim Klassenlehrer
07Der „Durchblicker“
08Kennenlerntage in Salzbergen
09Einbeziehen der Eltern
10Der Übergang im Unterricht
11Schlusswort

1. Voraussetzungen der Schule

Die Domschule Osnabrück ist eine Oberschule in Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Derzeit besuchen etwa 1000 Schülerinnen und Schüler die Schule und werden von etwa 85 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Die Schule hat keinen festen Einzugsbereich, sondern ist angewiesen darauf, dass Eltern die Domschule als weiterführende Schule für ihre Kinder wählen. Etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kommt aus der Stadt Osnabrück, hier allerdings aus fast allen Stadtteilen. Die andere Hälfte der Schülerschaft wohnt im Landkreis Osnabrück, und zwar in allen Gemeinden rings um die Stadt. Das heißt, dass sich Schülerinnen und Schüler aus etwa 39 Grundschulen im 5. Jahrgang der Domschule zusammenfinden müssen. Einige Kinder kommen gemeinsam mit Freunden aus ihrer Grundschulklasse, andere beginnen, ohne ein anderes Kind zu kennen. Aufgrund dieser Zusammensetzung hat die Domschule es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, einen besonderen Schwerpunkt auf die Gestaltung des Übergangs von der Grundschule zur Domschule zu legen, um gute Klassengemeinschaften zu entwickeln. Diese sind wichtig als Voraussetzung für gelingendes Lernen und um trotz der Größe der Schule jedem Kind das Gefühl von Vertrautheit zu vermitteln.

2. Gemeinsame Vorbereitungen des Teams Jahrgang 5

Die Jahrgänge in der Domschule sind sechszügig, d.h. auch in Jahrgang 5 werden etwa 150 Kinder aufgenommen. Damit alle Schülerinnen und Schüler einen vergleichbaren Einstieg erleben, wird der Übergang von der Grundschule zur Domschule gemeinsam vom Team der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer des 5. Jahrgangs vorbereitet. Das hat darüber hinaus den Vorteil, dass diese Gruppe von Lehrern sich als Jahrgangsteam versteht. Jeder kann in die bestehende Grundstruktur des Übergangs seine Ideen einbringen und mitgestalten. So ergänzen sich auch die Erfahrungen der älteren Kollegen mit den neuen Elementen der jüngeren von Anfang an. Das so gestaltete Miteinander erleichtert Absprachen, Austausch oder Teamarbeit im weiteren Verlauf der Schuljahre.

3. Kennenlernnachmittag vor den Ferien

Bereits kurz vor den Sommerferien werden die neuen Fünftklässler eingeladen zu einem Kennenlernnachmittag gemeinsam mit ihren Eltern. Auch wenn der Abschied aus der Grundschulklasse genau in diese Zeit fällt und seine Zeit braucht, hat die Erfahrung gezeigt, dass dieser Nachmittag für die neuen Schülerinnen und Schüler, für die Eltern, aber auch für die Schule vieles erleichtert. An diesem Nachmittag versammeln sich alle Schülerinnen und Schüler in der Herz- Jesu-Kirche. (Wir dürfen diese Kirche als „Aula“ nutzen.) Nach einer Begrüßung erfahren sie, in welche Klasse sie nach den Ferien gehen werden und wer ihr Klassenlehrer wird. Gemeinsam gehen die Kinder mit den Lehrern und den Eltern in den zukünftigen Klassenraum. Nach einer kurzen Begrüßung werden die Eltern „entlassen“, um sich in der Cafeteria bei Kaffee und Kuchen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Da jede Klasse eine eigene Farbe hat – die Eltern tragen einen entsprechenden Klebepunkt - , erkennen sie leicht, wer zu ihrer Klasse gehört.

Die Schülerinnen und Schüler lernen sich gegenseitig und auch Klassenlehrer und Co-Pilot während dieser Zeit im Klassenraum spielerisch kennen. Nach etwa einer Stunde kommen die Paten aus den höheren Klassen (s.4.) in die jeweiligen Klassenräume, stellen sich vor und führen anschließend die Kinder über das Schulgelände und durch die Gebäude. Während dieses Rundganges haben nun wiederum Klassenlehrer und Co-Pilot die Gelegenheit, sich in der Cafeteria mit „ihren“ Eltern zu unterhalten und Fragen zu beantworten. Abschließend werden die „Neuen“ von ihren Paten in die Cafeteria zu ihren Eltern gebracht. Neben dem Kennenlernen bietet dieser Tag den Lehrern auch die Möglichkeit, noch die eine oder andere Frage zu klären oder Dinge zu regeln, damit der Schulanfang nach den Ferien reibungslos beginnen kann. Ein aufregender und ereignisreicher Tag für alle Beteiligten.

4. Paten aus den höheren Klassen

Pate werden – ein sehr begehrtes Amt für die älteren SchülerInnen an der Domschule. Es hat sich bewährt, dass die Klassenlehrer der neuen fünften Klasse SchülerInnen aus Klassen wählen, die sie kennen. Jede neue 5. Klasse bekommt 6 – 8 Paten. Diese Paten sind bereits am Kennenlernnachmittag anwesend. Am Schulanfang treffen sie „ihre Kleinen“ im Einschulungsgottesdienst wieder. An den ersten beiden Schultagen unterstützen sie die Klassenlehrer beim Verteilen und Beschriften der neuen Schulbücher, begleiten die Kleinen in die Pause, damit sie auf dem Schulhof mit so vielen Schüler vertraute Personen um sich haben. Sie begleiten die Fünftklässler auch nach Unterrichtsende zum Schulbus. Die meisten unserer Schülerinnen und Schüler müssen durch die Große Straße gehen, um am Neumarkt ihren Bus zu erreichen. Hier die richtigen Wege zu finden ist gerade für die Kinder aus dem Landkreis während der ersten Tage nicht ganz einfach. Von den Paten begleitet fühlen sie sehr schnell sehr sicher. Nach den ersten Tagen werden die Aufgaben für die Paten weniger und es liegt an den Klassenlehrern und Schülern, ob es weitere organisierte Treffen gibt oder ob das Patenamt sich auf privat verabredete Treffen beschränkt. Meistens wird es von den Paten bedauert, dass sie nicht stärker eingesetzt werden. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass die Kleinen sich so schnell sicher und „groß“ fühlen, dass sie stolz darauf sind, alles alleine zu schaffen und ihre Paten zwar gerne treffen, aber nicht mehr unbedingt Hilfe annehmen möchten. Schade für die Paten, aber eigentlich ein gutes Zeichen.

5. Einschulungsfeier

Der Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule, oft verbunden mit einem Wechsel vom Dorf in die Stadt, ist ein entscheidender Schritt. Oft kommen die Kinder von kleinen Grundschulen und finden sich nun auf dem Schulhof mit etwa 1000 anderen Kindern wieder. Außerdem waren sie zuletzt die „Großen“ in ihren Schulen und sind nun wieder die „Kleinen“. Auch für die Eltern ist dieser Tag begleitet von vielen Fragen. Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, diesen Tag in besonderer Weise zu gestalten und die Kinder schnell miteinander, aber auch mit vielen Gegebenheiten vertraut zu machen. Der Einschulungstag beginnt bei uns um 9.00 Uhr mit einem Wortgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche. Das Thema dieses Gottesdienstes ist immer so angelegt, dass es Vertrauen bei den Kindern aufbauen und ihnen Sicherheit geben soll: „Alle in einem Boot“, „Unter Gottes Schutz und Schirm“, „Geborgen in Gottes Hand“, Sei behütet auf deinen Wegen“. An dieser Feier nehmen auch die Paten teil, die den Schülern ja bereits durch den Kennenlernnachmittag vertraut sind. Der Gottesdienst, mitgestaltet von Schülern und Lehrern, endet mit einem gemeinsamen Foto aller Fünftklässler, ihrer Paten und Lehrer – ein Foto mit etwa 200 Personen, das schon aufgrund der Enge ein Wir-Gefühl aufkommen lässt. Schnell ins Internet gestellt können die Kinder nachmittags schon dieses Foto sehen.

In der Regel erhalten die Kinder am Ende des Gottesdienstes ein zum Thema passendes Symbol (Murmel, Stein, Muschel, Schirmchen). Manchmal tauchen diese Einschulungserinnerungen dann bei den Abschlussprüfungen Ende Klasse 10 in den Federmappen der Schüler als „Glücksbringer“ und Schulzeitbegleiter wieder auf. Nach dem Gottesdienst gehen Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam in den mit Namensschildern vorbereiteten Klassenraum, den die Kinder ja ebenfalls bereits kennen. Sie durchschreiten dabei ein Spalier der Sechstklässler, die den Weg mit begeisterten Begrüßungs- Laola-Wellen begleiten. Nach einer kurzen Information durch den Klassenlehrer werden die Eltern entlassen und können die Wartezeit wieder nutzen, um in der Cafeteria mit den anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Außerdem haben die Eltern die Möglichkeit, aus dem Angebot des Umweltshops der Domschule die Schulmaterialien zu kaufen, die auf der Materialliste, die sie an diesem Tag erhalten haben, kaufen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten während dieser Zeit ihren Stundenplan, den „Durchblicker“ (s.7.),den Schülerplaner – ein schulinternes Hausaufgabenheft - weitere Informationen und beenden die Stunde mit einem weiteren Kennenlernspiel. Um 11.15 Uhr ist der erste Schultag beendet und die Klassenlehrer begleiten ihre neuen Schüler in die Cafeteria zu den Eltern.

6. Die ersten Tage beim Klassenlehrer

Am zweiten und dritten Schultag findet der Unterricht ausschließlich beim Klassenlehrer und dem Co-Piloten statt. Nachdem die Schülerinnen und Schüler einen Steckbrief über sich erstellt und diesen den anderen Mitschülern zur Verfügung gestellt haben, kommen am Ende der zweiten Stunde die Paten in die Klasse, um mit den Kindern zu frühstücken und sie dann auf den Schulhof zu begleiten. Schwerpunkt der zweiten Hälfte dieses Schultages ist das Vertrautmachen mit den Gebäuden der Domschule – Durchführung einer Rallye durch die Schule mithilfe der Paten – sowie in der vierten Stunde ein Orientierungsgang „Rund um die Schule“, bei dem alle Wege, die die Schüler häufiger gehen, gemeinsam gegangen werden. Dazu gehören ein Gang Richtung Iduna-Hochhaus und zum Berliner Platz, zum Dom, zum Neumarkt und durch die Innenstadt. Von den Paten werden die Fünftklässler schließlich am Ende der vierten Stunde zu ihren Bushaltestellen begleitet.

Am dritten Tag steht zunächst das Verteilen der Schulbücher auf dem Plan.

Auch dabei unterstützen die Paten die Klassenlehrer, denn die Kleinen sind häufig überfordert mit dem Eintrag in Listen, der Beschriftung der Bücher usw. Im Anschluss an die wiederum mit den Paten verbrachten Pause ist nun eine erste Einheit des Methodencurriculums für Jahrgang 5 – „Das Lernen lernen“ – vorgesehen. Meistens ist es das Thema „Wie gestalte ich meinen Arbeitsplatz?“, eine grundlegende Voraussetzung, um effektiv lernen zu können. Auch an diesem Tag endet der Unterricht nach der vierten Stunde. Vom vierten Tag an läuft der Stundenplan nach Plan und in der Regel beginnen die Kleinen hochmotiviert, endlich „richtig“ zu arbeiten. Wie viel sie während der ersten Tage aufgenommen und verarbeitet haben, ist ihnen kaum bewusst. Wir halten es für sehr wichtig, dieser Einstiegsphase so viel Zeit zu geben, damit alle Schülerinnen und Schüler sich schnell vertraut und sicher mit den bisher für sie fremden Personen und mit der ungewohnten Umgebung fühlen.

7. Der „Durchblicker“

Der „Durchblicker“ ist ein kleines, von der Domschule erstelltes Heft, das den Fünftklässlern und ihren Eltern „Durchblick“ verschaffen soll. Nicht alles kann während der ersten Tage geklärt werden. Damit sich die Kinder und ihre Eltern zu Hause noch einmal in Ruhe mit einigen Dingen vertraut machen können, haben wir in diesem Heft Informationen und Wichtiges zusammengestellt. So finden sich die Namen der Klassenlehrer, ein Lageplan der Schule, Fotos und Sprechzeiten der Schulsozialarbeiter sowie der Beratungslehrer und des Sekretariates, es gibt einen Überblick über Wissenswertes aus dem Alltag der Domschule usw. Was man vergessen hat, kann nachgelesen werden. Das gibt Sicherheit.

8. Kennenlerntage in Salzbergen

Nach dieser Einstiegsphase findet dann für ca. 6 Wochen regulärer Unterricht statt, bevor die Kinder ein besonderes Erlebnis erwartet. Für 1 ½ Tage fährt jede 5. Klasse zu Kennenlerntagen nach Salzbergen. Das ist ein großes Ereignis, ist es doch verbunden mit einer Bahnfahrt und einer Übernachtung. Die Zeit in Salzbergen wird gestaltet von dem Klassenlehrerteam: Kennenlernspiele und der Besuch eines Feuerwehrmuseums sind die Hauptprogrammpunkte. Natürlich ist auch die Übernachtung für die Kleinen ein weiterer großer Schritt. Da es sich jedoch nur um eine Übernachtung handelt, spielt auch das Heimweh eine eher untergeordnete Rolle. Mit diesen Kennenlerntagen verbinden wir die Erwartung, dass die Kinder noch einmal außerhalb der Schule viel Zeit miteinander verbringen. Während der vergangenen Wochen sind vorsichtige Freundschaften entstanden, die nun durch diese gemeinsamen Erlebnisse und die miteinander verbrachte Zeit gefestigt werde. Eine Chance für die Kinder, sich noch einmal auf ganz andere Weise zu begegnen.

9. Einbeziehen der Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns ein besonderes Anliegen, verstehen wir uns doch als Erziehungsgemeinschaft zwischen Schule und Elternhaus. Nur im vertrauensvollen und ergänzenden Umgang miteinander kann es gelingen, jedem Kind individuell die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen. So gibt es bereits etwa drei Wochen nach der Einschulung einen ersten Elternabend, auf dem viele bisher aufgetauchte Fragen geklärt werden können. Auch beim Erntedankmarkt Ende September sind Eltern im Einsatz und stellen Waren zur Verfügung oder verkaufen gemeinsam mit den Kindern die angebotenen Dinge. So lernen sich auch die Eltern gut kennen. Die Weihnachtsfeier der einzelnen Klassen bilden gewissermaßen den Abschluss der Einstiegsphase. Eltern und Geschwister sind eingeladen zu einer Weihnachtsfeier mit von den Schülern vorbereiteten Liedern, Gedichten oder anderen Beiträgen. Bei Keks und Tee können die Erfahrungen der ersten Wochen ausgetauscht werden und mit dem Klassenlehrer Fragen geklärt werden.

10. Der Übergang im Unterricht

Da die SchülerInnen der 5. Klassen aus so vielen verschiedenen Grundschulen kommen, sind die Leistungen und die erlernten Arbeitsweisen sehr unterschiedlich. Daher liegt ein Schwerpunkt in der Arbeitsweise im ersten Halbjahr von Klasse 5 darin, dass die Fachlehrer sich einen Überblick verschaffen über die Leistungsstände der Schüler. Dazu verwenden wir in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik die Online-Diagnose-Angebote der Schulbuchverlage, die nach Auswertung der Ergebnisse individuell auf die Schüler abgestimmte Übungsmaterialien zur Verfügung stellen. So kann an Defiziten und Schwächen, aber auch an Stärken gearbeitet werden. Da wir Oberschule sind, haben wir den Umgang mit der Heterogenität der Schüler zu unserer Aufgabe gemacht. Dazu braucht man Zeit. Um mehr Zeit für die individuelle Förderung der Schüler zu haben, führen wir von diesem Schuljahr an einen verbindlichen Ganztag ab Klasse 5 mit zwei Stunden 

selbstgesteuertem Lernen ein, in denen der Lehrer die Möglichkeit hat, mit einzelnen Schülern zu arbeiten, während die anderen an ihre individuellen Arbeitsmappen mit den Übungsaufgaben oder einem Wochenplan fortsetzen. Hier gibt es wieder den Bezug zu unserem Methodencurriculum, in dem die Schüler Methoden erlernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu lernen. Außerdem gibt es im 5. und auch im 6. Jahrgang keine äußere Differenzierung, sodass die Schüler sich im Klassenverband aneinander orientieren und von einander profitieren können. Bei den pädagogischen Konferenzen im 5. Jahrgang, die kurz nach den Herbstferien stattfinden und den folgenden Elternsprechtag vorbereiten, werden die Beobachtungen und Eindrücke aller in der jeweiligen Klasse unterrichtenden Kollegen zusammengetragen, sodass ein umfassendes Bild über jeden Schüler entsteht.

11. Schlusswort

„Gemeinsam – individuell – werteorientiert“ – so lautet das Motto der Domschule. Durch die verschiedenen Schritte, die vorgestellt wurden, versucht die Domschule in diesem Sinne, den Übergang der Kinder von der Grundschule zur weiterführenden Schule so begleitet wie möglich zu gestalten, damit die Kinder sich schnell als Teil der Schulgemeinschaft verstehen, sich wohlfühlen und so wichtige Voraussetzungen für gelingendes Lernen geschaffen werden.